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Die deutsche entwicklungspolitische Zusammenarbeit im Detail

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Die entwicklungspolitische Zusammenarbeit (EZ) zwischen der Bundesrepublik Deutschland und dem ehemaligen Obervolta, seit 1984 Burkina Faso, begann bereits 1961, nur ein Jahr nach der Unabhängigkeit der ehemaligen französischen Kolonie und der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen beiden Ländern. Bis zum heutigen Tage ist sie ein wichtiger Bestandteil der Beziehungen zwischen Deutschland und Burkina Faso.

Das übergeordnete Ziel der deutschen entwicklungspolitischen Zusammenarbeit ist die Armutsbekämpfung und die Unterstützung einer nachhaltigen Entwicklung von Burkina Faso.

Das deutsche Engagement orientiert sich hierbei an der nationalen Entwicklungsstrategie, dem „Nationalen Plan für wirtschaftliche und soziale Entwicklung 2016-2020“ („PNDES - Plan National de Développement Économique et Social 2016-2020“) und fügt sich bewusst in diesen ein. Für die Jahre 2018-2020 sagte Deutschland im Rahmen der bilateralen Regierungsverhandlungen 2017 Burkina Faso Mittel über 102,2 Millionen Euro (67 Milliarden Francs CFA) für die gemeinsam festgelegten thematischen Schwerpunkte zu. Im Dezember 2018 wurden weitere 18 Millionen Euro (11,8 Milliarden CFA) für den Sektor Wasser- und Sanitätsversorgung zugesagt.

Deutschland setzt die staatliche EZ mit seinen Durchführungsorganisationen um, in der technischen Zusammenarbeit über die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), in der finanziellen Zusammenarbeit über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW).

Darüber hinaus unterstützt die Bundesregierung das Land auch über regionale und globale Programme sowie über die Arbeit multilateraler Organisationen wie zum Beispiel der Vereinten Nationen (VN) oder der Weltbank und über die Europäische Union (EU). So ist Deutschland der drittgrößte Beitragszahler der VN und der größte der EU. Auch internationale sowie nationale Nichtregierungsorganisationen (NRO/NGO), private Träger und politische Stiftungen werden durch die Bundesregierung in ihrer Arbeit in Burkina Faso unterstützt.

Geographisch konzentriert sich das deutsche bilaterale Portfolio hauptsächlich auf den Südwesten und Osten des Landes.


Die bilaterale entwicklungspolitische Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Burkina Faso

Die Regierungen beider Länder verständigen sich alle drei Jahre im Rahmen der bilateralen Regierungsverhandlungen zur Entwicklungszusammenarbeit über die Ziele, Schwerpunkte und geplanten Projekte ihrer gemeinsamen Entwicklungszusammenarbeit (EZ). Zyklus der Verhandlungen ist für gewöhnlich drei Jahre.

Die letzten Regierungsverhandlungen fanden im Juli 2017 in Ouagadougou statt. Hier vereinbarten Deutschland und Burkina Faso drei thematische Schwerpunkte der Zusammenarbeit:

  • Landwirtschaft
  • Dezentralisierung
  • Wasser- und Sanitärversorgung

Über diese Schwerpunkte hinaus kooperieren beide Länder in den Bereichen Kinder- und Jugendrechte, gute finanzielle Regierungsführung (Good Governance) und Grenzmanagement


Der deutsche EZ-Schwerpunkt „Landwirtschaft“

Hauptziel der deutschen EZ im Schwerpunkt „Landwirtschaft“ ist es, die landwirtschaftliche Produktion und somit auch die Einkommen der hier tätigen Burkinabé zu steigern. 86% der Bevölkerung sind im Landwirtschaftssektor aktiv. Darüber hinaus sollen die in der Landwirtschaft herrschenden Beschäftigungsbedingungen verbessert und durch Produktionssteigerungen die Ernährungssicherheit gewährleistet warden.

Konkret verfolgt Deutschland diese Ziele durch die Förderung von Projekten zur effektiveren Bewässerungstechnik, zum Bodenschutz und zur Nutzbarmachung von zuvor unfruchtbaren Böden. Hierbei wird besonderen Wert auf die unmittelbare partnerschaftliche Zusammenarbeit mit den betroffenen Landwirten gelegt. Diese werden zudem dabei unterstützt, ihre Ernteerträge zu erhöhen und ihre Produkte effektiver im Rahmen von Wertschöpfungsketten weiter zu verarbeiten und zu vermarkten. Beispiele Reis, Sesam, Maniok, Moringa, Amaranth sowie Süßkartoffeln.

Die BMZ-Sonderinitiative „EINEWELT ohne Hunger“ fördert in diesem Bereich zudem u.a. Maßnahmen zur besseren Widerstandsfähigkeit beim Anbau sowie sogenannte „Grüne Innovationszentren“, die Innovationen im landwirtschaftlichen Sektor verbreiten und Kleinbäuerinnen und -bauern bedarfsorientiert beraten.

Durch die deutschen Projekte werden neue Arbeitsplätze geschaffen und der Landbevölkerung, besonders Jugendlichen und Frauen, wird durch Aus- und Fortbildung ein besserer Zugang zum Arbeitsmarkt ermöglicht und so eine wirtschaftliche Perspektive gegeben.


Der deutsche EZ-Schwerpunkt „Dezentralisierung“

Im deutschen EZ-Schwerpunktbereich „Dezentralisierung“ geht es darum, die staatlichen Strukturen im zentralistisch aufgebauten Burkina Faso außerhalb der größeren Städte zu stärken und auch in ländlicheren Gebieten die Infrastruktur und staatlichen Dienstleistungen zu verbessern. Insbesondere soll die Teilhabe der Bürger an Entscheidungsprozessen gestärkt werden.

Hierdurch soll dem großen wirtschaftlichen und sozialen Gefälle zwischen dem ländlichen und urbanen Raum entgegengewirkt, Perspektiven geschaffen und so ein Beitrag zur Prävention von Krisen und Migration geleistet werden.

Konkret zielt Deutschland mit seinen Projekten darauf ab, die Fähigkeiten und Kapazitäten der einzelnen Gebietskörperschaften und der Kommunalverwaltungen zu stärken sowie die Ausbildung lokaler Staatsdiener zu fördern. Die Kommunen erhalten zudem Unterstützung für den Aufbau und Unterhalt der wirtschaftlichen und sozialen Infrastruktur sowie bei der Umsetzung der Übertragung von Kompetenzen vom Zentralstaat auf die lokale Ebene.


Der deutsche EZ-Schwerpunkt

„Wasser- und Sanitärversorgung“

Ziel des deutschen EZ-Schwerpunkts „Wasser- und Sanitärversorgung“ ist es, den Zugang zu Trinkwasser- und Sanitärversorgung in kleinen und mittelgroßen Städten sowie stadtnahen Dörfern zu verbessern.

Hier arbeitet die deutsche EZ insbesondere mit dem Ministerium für Wasser und Abwasser, dem staatlichen burkinischen Wasserversorger ONEA und einzelnen Kommunen zusammen, um deren administrativen Kapazitäten zu stärken und den Bau von Infrastruktur voranzutreiben (z.B. durch Trinkwasserleitungen sowie Latrinen in Haushalten, Schulen, Krankenhäusern und Märkten). Begleitet werden diese Projekte durch den Einsatz neuer Technologien und Aufklärungsarbeit.


Der deutsche Einsatz für Kinder- und Jugendrechte in Burkina Faso

Neben den drei festgelegten Schwerpunkten der deutschen entwicklungspolitischen Zusammenarbeit engagiert sich Deutschland in Burkina Faso im Bereich der Kinder- und Jugendrechte. Hier geht es insbesondere darum, diese besonders schutzbedürftige Bevölkerungsgruppe zu stärken und in der Wahrnehmung ihrer Rechte zu fördern. Jungen und Mädchen sollen insbesondere vor Kinderhandel, Kinderarbeit, Zwangsheirat und weiblicher Genitalverstümmelung geschützt werden. Durch Aufklärung soll auch die Zahl an ungewollten frühen Schwangerschaften gesenkt werden.

Um diese Ziele zu erreichen unterstützt die deutsche Entwicklungszusammenarbeit die burkinische Regierung dabei, die vorhandenen Gesetze und Maßnahmen zum Schutz von Kindern effektiver umzusetzen und auch weitere Akteure, wie die Bevölkerung, Verwaltung, Sicherheitskräfte, für die Rechte der Kinder zu sensibilisieren. Hierdurch soll ein ganzes Netzwerk des Kinderschutzes etabliert werden. Des Weiteren finanziert die deutsche Entwicklungszusammenarbeit den Bau, die Renovierung sowie die Ausstattung von Schulen, fördert die schulische und berufliche Ausbildung von Kindern und Jugendlichen sowie einkommensschaffende Tätigkeiten für Jugendliche.


Die Unterstützung einer guten Regierungsführung - Good Governance

Im Bereich der guten Regierungsführung, einem Bereich der auch für alle anderen entwicklungspolitischen Sektoren entscheidend ist, arbeitet Deutschland eng mit dem burkinischen Ministerium für Wirtschaft und Finanzen zusammen und setzt sich für die systematische Umsetzung einer umfassenden Haushaltsreform ein.               
Durch diese Reform soll sich der burkinische Staatshaushalt stärker an internationalen Standards zu Effizienz, Transparenz und Rechenschaftspflicht orientieren.


Das deutsche Engagement im Bereich Grenzmanagement

Angesichts der fragilen regionalen Sicherheitslage in vielen grenznahen Regionen Burkina Fasos rückt auch der Bereich Sicherheit vermehrt in den Fokus der deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Hier arbeitet die Bundesregierung eng mit der Europäischen Union zusammen, um die von der burkinischen Regierung entwickelte Grenzmanagement-Strategie umzusetzen.

Diese hat zum Ziel, die Sicherheit und Stabilität in grenznahen Räumen zu erhöhen und die Lebensbedingungen der dortigen Bevölkerung zu verbessern. Insbesondere soll die Präsenz des Staates in diesen gefährdeten Gebieten erhöht und die grenzüberschreitende Zusammenarbeit mit den Nachbarländern Mali und Niger ausgebaut werden.

Das regionale Programm des Zivilen Friedensdienstes (ZFD) in Burkina Faso, Niger und Benin leistet zudem einen Beitrag zur friedlichen und gerechten Nutzung von natürlichen Ressourcen zwischen diesen Staaten sowie zur Förderung der friedlichen und grenzüberschreitenden Weidewirtschaft.


Unterstützung der regionalen und globalen Zusammenarbeit

Neben der bilateralen deutsch-burkinischen entwicklungspolitischen Zusammenarbeit engagiert sich Deutschland auch in regionalen und globalen Projekten für eine bessere Kooperation und besser abgestimmte Ansätze zwischen Nachbarstaaten. So unterstützt die deutsche EZ die Afrikanische Union und Regionalorganisationen wie die Westafrikanische Wirtschaftsunion ECOWAS AS (Economic Community of West African States).

Ein Beispiel hierfür ist die Umsetzung eines Schutz- und Managementkonzepts für Biodiversität im WAP- Biosphärenreservat im Dreiländereck Burkina Faso, Niger und Mali und einem Programm zur Seuchenvorsorge in der ECOWAS-Region.

Im Gesundheitsbereich fördert die deutsche EZ zudem Programme zur reproduktiven Gesundheit, HIV/AIDS-Prävention sowie zur Seuchenprävention. Deutsche Regionalprogramme fördern in Burkina zudem die Reis- und Cashew-Wirtschaft und erhöhen die Energieeffizienz.


Nicht-staatliche Zusammenarbeit – Eine Zusammenarbeit von Mensch zu Mensch

Zahlreiche nicht-staatliche deutsche Akteure unterstützen die Entwicklung Burkina Fasos mit großem Engagement, darunter Nichtregierungsorganisationen (NRO/NGO) und politische Stiftungen. Auch durch Städtepartnerschaften wird tatkräftig Hilfe geleistet. Die deutsche Regierung leistet finanzielle Beiträge für diese Aktivitäten, die die staatliche Zusammenarbeit sinnvoll ergänzen.


Kulturelle Zusammenarbeit – Deutsch-burkinische Partnerschaft in Kultur, Sprache und Bildung fördern

Kulturelle Veranstaltungen, Deutschunterricht, Stipendien und die Unterstützung der Hochschulausbildung in Burkina Faso stehen im Mittelpunkt der Arbeit des Goethe-Instituts und des Deutschen Akademische Austauschdienst (DAAD), die beide mit zahlreichen Partnern zusammenarbeiten.


Multilaterale Zusammenarbeit

Nicht vergessen werden sollte Deutschlands erheblicher finanzieller Beitrag für multilaterale Akteure wie die Europäische Union (rund 20%), die Weltbank (rund 4%) und die Vereinten Nationen. Die deutsche Regierung setzt sich dafür ein, dass die  Arbeit dieser Organisationen einen noch stärkeren Beitrag zur Armutsbekämpfung leistet.

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